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3i informiert – Marktbericht Q3 2022


Sehr geehrte Kunden und Newsletter-Abonnenten,


willkommen zur Juli-Ausgabe des Q3/2022 Marktberichtes des 3i-Institutes.


Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer und die Stimmung der Marktteilnehmer ist leider weiterhin getrübt. Die globalen Kapitalmärkte befinden sich fortan weiter in einem komatösen Abwärtstrend. Anfang Juli bis Mitte August konnten die Börsen zwar rasante Zuwächse verzeichnen, aber die Erholung war nur von kurzer Dauer. US-Notenbankchef Jerome Powell stellte mit fester Entschlossenheit im August bei seiner alljährlichen Rede vor den weltweit führenden Notenbankiers klar, dass die Inflationsbekämpfung oberste Priorität hat, auch wenn dies eine deutliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums bewirken dürfte. Lockerungen im Zinserhöhungskurs waren somit nicht absehbar, was die Kurse der Aktien- und Anleihenmärkte weiter drückten. Der statistisch gesehen schwächste Monat September folgte dem Abwärtstrend, u.a. wegen der historischen EZB-Leitzinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf nun 1,25 Prozent


Performance Q3 2022 ausgewählter Indices:

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Das Besondere an der Wertminderung im Jahr 2022 ist, dass sie sich durch nahezu die gesamte Breite der Assetklassen zieht. Die Rahmenbedingungen - angespannte geopolitische Situation, extrem hohe Inflation (über 10 % in der Eurozone), rückläufiger Konsum, sinkendes Wirtschaftswachstum, Lieferkettenprobleme, vermehrte Anzeichen einer Rezession und erwartbar negative Auswirkungen auf die Unternehmensergebnisse - setzten die Aktienmärkte unter Druck. Hinzu kommt, dass durch die steigenden Zinsen auch die Rentenmärkte teilweise empfindliche Kursverluste hinnehmen müssen. Anleihen haben daher in diesem Jahr keinen sinnvollen Diversifikationseffekt – eine Funktion, welche sie über viele Jahrzehnte äußerst erfolgreich erfüllen konnten.


Auf der Rohstoffseite ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Sogar Edelmetalle konnten keinen signifikanten Wertanstieg verzeichnen. Aluminium und Kupfer gingen im dritten Quartal um 11,6 beziehungsweise 8,5 Prozent zurück. Die Preise von Nickel gaben um sieben Prozent nach, ebenso die Notierung für Zink. Selbst Gold, was als sichere Hafen in Krisenzeiten gilt, erleidet in USD aufs gesamte Jahr gerechnet einen Verlust von ca. -8,5 %. Wie bei Aktien drückt auch bei Rohstoffen der negative Konjunkturausblick die Kurse.

Am Devisenmarkt sieht es etwas anders aus, denn dort kam es in den vergangenen Monaten zu ausgeprägten Bewegungen, wobei der US-Dollar der unangefochtene Gewinner war. Der US-Dollar hat gegenüber den wichtigsten anderen Währungen massiv aufgewertet. Er stieg seit Jahresbeginn um rund 16 % gegenüber dem Euro, um etwa 20 % gegenüber dem britischen Pfund und um knapp 25 % gegenüber dem japanischen Yen, der das Schlusslicht unter den global wichtigsten Währungen markiert. Eine so hohe Volatilität an den Währungsmärkten hat natürlich viele Gründe, aber eine der wichtigsten Ursachen für den starken US-Dollar ist mit Sicherheit, dass die diesjährige Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank viel restriktiver (Ende der Anleihenkäufe, starke und schnelle Zinserhöhungen) ist, als die der europäischen oder japanischen Zentralbank, was die anderen Währungen gegenüber dem US-Dollar abwertet.


Das herausfordernde Marktumfeld verlangt von allen Anlegerinnen und Anlegern, ob privat oder institutionell, starke Nerven und eine aktive Beschäftigung mit den daraus resultierenden Chancen und Risiken. Gerade jetzt gilt es die nötige Ruhe zu bewahren und den Fokus nicht zu sehr zu verengen. Denn obwohl sich einer solchen Entwicklung weltweit niemand entziehen kann, sind einzelne Regionen beziehungsweise Länder aller Voraussicht nach weniger stark betroffen als Europa.


USA: In den USA scheint das von der Notenbank angepeilte „soft landing“ zu gelingen. Die Verbraucher- und Ölpreise stabilisieren sich und die Inflation dürfte ihren Höhepunkt erreicht haben, sodass sie in den kommenden Monaten schrittweise sinken dürfte. Die Attraktivität am Zinsmarkt nimmt damit in den USA kräftig zu. Der am 16. August von Präsident Joe Biden unterschriebene „Inflation Reduction Act“ sollte ebenfalls mittelfristig die Inflation senken und gewissen Sektoren (Erneuerbare Energien/Infrastruktur) Auftrieb verleihen, denn dieser sieht unter anderem milliardenschwere Steueranreize für den Ausbau erneuerbarer Energiequellen vor.


Indien: Die makroökonomischen Aussichten Indiens sind relativ gut. Es ist die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt, mit einem erwarteten Wachstum von knapp über 7 % in diesem Haushaltsjahr. Tatsächlich hat Indien damit das Vereinigte Königreich überholt und ist zur fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen. Darüber hinaus bestehen in Indien nicht die gleichen politischen Risiken wie in China. Wir haben keine anhaltenden Abriegelungen oder extremen regulatorischen Eingriffe erlebt, und die Situation im Immobiliensektor ist genau umgekehrt. In Indien wurde in den letzten zehn Jahren zu wenig gebaut, wodurch jetzt ein erheblicher Nachholbedarf besteht, der den Beginn eines neuen Bauzyklus anheizt.
Gesundheitswesen: Der Sektor bleibt aufgrund seiner defensiven Eigenschaften eine rationale Wahl: Hier zeigen sich keine negativen Auswirkungen des Krieges, es besteht nur eine geringe wirtschaftliche Abhängigkeit, der Sektor wird unterstützt durch demografische Trends und fortlaufende Innovationen. Hinzu kommen die attraktiven Bewertungen.


Aufgrund der wirtschaftlichen und geopolitischen Gesamtsituation verhalten wir uns daher weiterhin konservativ und behalten den aktuellen hohen Kassenbestand bei, denn wir rechnen fernerhin mit erhöhter Unsicherheit und Volatilität am Markt. Pessimistisch sind wir für Konjunktur und Inflation vor allem in Europa. Denn die Probleme auf der Angebotsseite – insbesondere die Kostenexplosion bei Energie und die Engpässe bei Vorprodukten – bleiben hoch, sodass wir fast gänzlich das EU-Exposure aufgelöst haben. Ansonsten wurden in den entsprechenden Portfolios kleinere regionale und sektorale Zukäufe vorgenommen.


Ob wir den Tiefpunkt bereits erreicht haben oder wie weit er noch entfernt ist, kann niemand sagen. Eines aber ist sicher: Die Preise für Unternehmensanteile sind deutlich gefallen, was Investments in günstige Aktien und Anleihen wieder deutlich attraktiver macht.


Sofern Sie Fragen zu Ihrem Portfolio, zu Ihrer Finanzanlage oder generelle Themen zur Geldanlage haben, kommen Sie gerne jederzeit auf uns zu. Wir vom 3i-Institut unterstützen Sie gerne.


Mit besten Grüßen

Philip Morgen

Oliver Morgen

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